Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsmusik mehr – sie ist ein Werkzeug, das Sie heute kostenlos ausprobieren können. Programme wie ChatGPT oder Google Gemini schreiben auf Wunsch Briefe, übersetzen Behördendeutsch in verständliche Sprache und beantworten Fragen so geduldig, wie es kein Lexikon je konnte. Das klingt nach Zauberei, ist aber gut beherrschbar – und wie immer gilt: Hier kann nichts kaputtgehen. Nach der Bildbearbeitung in der letzten Lektion lernen Sie nun einen Helfer kennen, der mit Sprache umgeht: Sie erfahren, was hinter diesen Programmen steckt, wie Sie mit ihnen sprechen – und wo Sie wachsam bleiben sollten.
Was sind KI-Chat-Programme?
„Künstliche Intelligenz“ – kurz KI – bezeichnet Computerprogramme, die Aufgaben erledigen, für die man früher menschliches Denken brauchte. Die derzeit bekannteste Form sind KI-Chat-Programme, auch KI-Assistenten genannt („Chat“ ist Englisch und bedeutet „Plauderei“). Die vier großen Namen heißen ChatGPT, Google Gemini, Microsoft Copilot – der in Windows 11 bereits eingebaut ist – und Claude. Sie alle können menschliche Sprache verstehen und selbst Texte erzeugen: Sie tippen eine Frage in ein Eingabefeld, und wenige Sekunden später steht die Antwort da – in ganzen, gut lesbaren Sätzen.
Möglich wird das, weil diese Programme mit riesigen Mengen an Texten trainiert wurden: Bücher, Zeitungen, Webseiten. Daraus haben sie gelernt, wie Sprache funktioniert und welche Wörter sinnvoll aufeinander folgen. Wichtig zu wissen: Eine KI denkt nicht wirklich und versteht die Welt nicht wie ein Mensch. Sie ist eher ein außerordentlich belesener Gesprächspartner mit erstaunlichem Sprachgefühl – aber ohne eigenes Urteilsvermögen.
So sprechen Sie mit einer KI
Mit einem KI-Assistenten sprechen Sie am besten so, wie Sie mit einem geduldigen, hilfsbereiten Menschen sprechen würden: in ganzen Sätzen und mit allen Angaben, die für Ihr Anliegen wichtig sind. Sie brauchen weder Fachsprache noch geheime Befehle. Statt einzelner Stichwörter wie bei einer Suchmaschine dürfen Sie ruhig ausführlich werden: „Schreibe mir bitte eine freundliche E-Mail an meine Hausverwaltung. Der Wasserhahn in der Küche tropft seit einer Woche.“
Das Beste daran: Das Gespräch endet nicht nach der ersten Antwort. Gefällt Ihnen etwas nicht, sagen Sie es einfach – „Bitte kürzer“, „Bitte förmlicher“, „Erkläre das noch einmal einfacher“. Die KI bessert nach, so oft Sie möchten, und wird dabei niemals ungeduldig. Genau hier liegt auch der Unterschied zur Suchmaschine aus der Lektion „Suchen und finden“: Die Suchmaschine zeigt Ihnen Webseiten, auf denen Sie selbst nachlesen. Der KI-Assistent formuliert eine Antwort direkt für Sie.
Nützliche Helfer im Alltag
Wofür lässt sich so ein Assistent nun ganz praktisch nutzen? Hier einige bewährte Beispiele – die rechte Spalte zeigt, wie Sie Ihre Bitte formulieren könnten:
| Anliegen | So könnten Sie fragen |
|---|---|
| Briefe und E-Mails | „Formuliere eine höfliche Kündigung für mein Zeitschriften-Abo zum nächstmöglichen Termin.“ |
| Behördendeutsch übersetzen | „Ich habe diesen Bescheid erhalten. Erkläre mir in einfachen Worten, was er bedeutet.“ – den Behördentext tippen Sie darunter ab oder fügen ihn ein. |
| Rezepte anpassen | „Mein Apfelkuchen-Rezept ist für zwölf Stücke. Rechne die Zutaten für vier Stücke um – und ersetze die Nüsse.“ |
| Reiseideen sammeln | „Empfiehl mir drei ruhige Reiseziele in Deutschland für eine Woche im September, gut mit der Bahn erreichbar.“ |
| Dinge erklären lassen | „Erkläre mir in einfacher Sprache, was eine photoTAN ist und wofür meine Bank sie braucht.“ |
Ihre erste Unterhaltung – so geht es los
Alle genannten Assistenten lassen sich in den Grundfunktionen kostenlos im Browser nutzen – Zahlungsdaten sind dafür nicht nötig. Manche Anbieter verlangen eine kostenlose Anmeldung mit einer E-Mail-Adresse, andere lassen Sie sofort loslegen.
Die erste Unterhaltung mit einem KI-Assistenten
- Einen Assistenten aufrufen
Öffnen Sie Ihren Browser und geben Sie den Namen in die Suchmaschine ein, zum Beispiel „ChatGPT“ oder „Gemini“. Klicken Sie auf die offizielle Webseite des Anbieters. Unter Windows 11 finden Sie Copilot auch direkt in der Taskleiste.
- Bei Bedarf kostenlos anmelden
Fragt die Webseite nach einer Anmeldung, genügt eine E-Mail-Adresse und ein selbst gewähltes Passwort. Die Grundnutzung kostet nichts – Sie müssen nirgendwo Zahlungsdaten hinterlegen.
- Die erste Frage stellen
Unten auf der Seite finden Sie ein Eingabefeld. Tippen Sie Ihre Frage in ganzen Sätzen hinein, etwa: „Erkläre mir in einfacher Sprache, was künstliche Intelligenz ist.“ Abschicken mit der Eingabetaste oder dem Pfeil-Knopf neben dem Feld.
- Nachhaken und verfeinern
Lesen Sie die Antwort in Ruhe und antworten Sie einfach darauf: „Kannst du das kürzer sagen?“ oder „Nenne mir ein Beispiel“. Der Assistent merkt sich, worüber Sie gerade sprechen. Für ein neues Thema beginnen Sie über „Neuer Chat“ eine frische Unterhaltung.
Wenn die KI sich irrt: Halluzinationen
So beeindruckend die Antworten klingen – KI-Assistenten haben eine gewichtige Schwäche: Sie können sich irren, und sie tun es mit größter Selbstsicherheit. Weil das Programm im Kern nur berechnet, welche Wörter gut zusammenpassen, erfindet es manchmal Dinge, die überzeugend klingen, aber schlicht falsch sind – Telefonnummern, Öffnungszeiten, Paragrafen, ganze Buchtitel. Fachleute nennen das Halluzinationen: Die KI „sieht“ etwas, das es gar nicht gibt.
Daraus folgt die wichtigste Regel dieser Lektion: Nutzen Sie die KI als Ideengeber und Formulierungshilfe – aber prüfen Sie wichtige Angaben immer an verlässlicher Stelle nach. Öffnungszeiten und Termine erfragen Sie direkt beim Anbieter, Geldfragen klären Sie mit Ihrer Bank.
Datenschutz und die Schattenseite: Betrug mit KI
Bedenken Sie außerdem: Was Sie in ein KI-Programm eintippen, verlässt Ihren Computer und wird auf den Rechnern des Anbieters verarbeitet – oft im Ausland. Behandeln Sie Ihre Eingaben deshalb wie eine Postkarte, nicht wie einen versiegelten Brief. Diese Dinge gehören grundsätzlich nicht in ein fremdes KI-System:
- Passwörter, PIN und TAN – die fragt kein seriöses Programm ab, und sie haben in keinem Chat etwas zu suchen.
- Konto- und Kartennummern sowie andere Zahlungsdaten.
- Gesundheitsunterlagen wie Arztbriefe, Befunde oder Diagnosen.
- Volle Namen und Adressen – Ihre eigenen wie die anderer Menschen. Lassen Sie Briefe mit Platzhaltern schreiben („Sehr geehrte Frau …“) und setzen Sie die echten Namen erst zu Hause in Ihrem Schreibprogramm ein.
Leider nutzen auch Betrüger die neue Technik. Mit KI lassen sich heute Stimmen täuschend echt nachahmen und sogar Videos fälschen – solche Fälschungen nennt man Deepfakes – ein englisches Kunstwort aus „deep“ (tief, benannt nach der dahinterstehenden KI-Technik des „tiefen Lernens“) und „fake“ (Fälschung). Der bekannte Enkeltrick bekommt damit eine neue, gefährlichere Form: Am Telefon meldet sich scheinbar das eigene Enkelkind – mit vertrauter Stimme, in großer Not, und es bittet dringend um Geld. Die Stimme stammt jedoch aus dem Computer.
Künstliche Intelligenz ist ein erstaunlich nützlicher Helfer: geduldig, schnell und rund um die Uhr erreichbar – solange Sie die Antworten mit gesundem Menschenverstand prüfen und keine vertraulichen Daten preisgeben. Probieren Sie es in Ruhe aus – zum Beispiel mit einem angepassten Rezept. In der nächsten und letzten Lektion dieser Stufe werfen wir dann einen Blick hinter den Vorhang des Internets: „Die eigene Webseite: ein Blick hinter die Kulissen“ zeigt Ihnen, wie die Seiten entstehen, die Sie jeden Tag besuchen.